
Neustadt an der Weinstraße setzt Deutsch-Förderkurse für Schülerinnen und Schüler fort – ermöglicht durch die Irene-Handrich-Stiftung mit einem mittleren…
Gute Nachrichten aus Neustadt an der Weinstraße: Die Deutsch-Förderkurse für weiterführende Schulen in der Stadt werden fortgesetzt. Dank der finanziellen Unterstützung der Irene-Handrich-Stiftung können Schülerinnen und Schüler mit geringen Deutschkenntnissen auch im neuen Schuljahr gezielt gefördert werden. Über die Fortführung des Projekts wurde im Schulträgerausschuss des Stadtrats informiert.
Das Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die bereits weiterführende Schulen in Neustadt besuchen, jedoch nur über geringe Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen. Wie sich in den vergangenen Jahren gezeigt hat, lassen sich sprachliche Defizite im regulären Unterricht kaum ausreichend aufholen. Daher haben die Stadtverwaltung, die städtische Volkshochschule (VHS) sowie vier beteiligte Schulen – die Georg-von-Neumayer Realschule Plus, das Käthe-Kollwitz-Gymnasium, das Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium und das Leibniz-Gymnasium – ein gemeinsames Konzept entwickelt.
Der Ansatz ist dabei bewusst anders gedacht als eine schnelle Integration in den Regelunterricht: Statt Schülerinnen und Schüler mit geringen Deutschkenntnissen unmittelbar in den normalen Schulbetrieb einzugliedern, setzt Neustadt zunächst auf eine intensive und systematische Sprachförderung. Ziel ist es, eine solide sprachliche Grundlage zu schaffen, auf der schulischer Erfolg langfristig aufbauen kann.
Den Anfang machte ein Pilotprojekt: Von Jahresbeginn bis Ende Mai 2026 förderte die VHS 20 Schülerinnen und Schüler der vier beteiligten Schulen mit einem Deutschkurs. Die positiven Erfahrungen aus dieser Testphase bestärkten alle Beteiligten darin, das Angebot nicht nur fortzuführen, sondern auch weiterzuentwickeln. Unter dem Titel „Sprachförderung von Neustadter Schülerinnen und Schülern“ haben die Kurse mit Beginn des neuen Schuljahrs wieder gestartet und laufen zunächst bis Mitte Juni 2027.
Im laufenden Schuljahr nehmen insgesamt 30 Schülerinnen und Schüler in zwei Gruppen teil. Die VHS übernimmt die Projektträgerschaft, Organisation und Durchführung. Die Kurse finden an der Georg-von-Neumayer-Realschule statt und stehen Schülerinnen und Schülern aller vier beteiligten Schulen offen.
Im Mittelpunkt der Förderung stehen die Kompetenzen Sprechen, Lesen und Verstehen – von Anfängerinnen und Anfängern ohne Deutschkenntnisse bis zu einem Sprachstand von maximal A2 nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER). Der Unterricht findet grundsätzlich montags bis freitags von 8 bis 10.30 Uhr statt. Die tägliche Förderung über drei Unterrichtsstunden ermöglicht eine kontinuierliche und intensive Arbeit an der Sprache.
Vor Kursbeginn führt die VHS eine Sprachstandserhebung durch, um möglichst homogene Lerngruppen zu bilden. Die Gruppengröße liegt in der Regel zwischen 12 und 18 Schülerinnen und Schülern. Die Zuweisung erfolgt durch die Schulleitungen der vier beteiligten Schulen. Für das Schuljahr 2026/2027 sind insgesamt 840 Unterrichtseinheiten für den Sprachkurs vorgesehen. Hinzu kommen 120 Einheiten für Sprachstandserhebungen zu Beginn, zur Zwischenevaluation und zur abschließenden Beurteilung.
Möglich wird dieses Angebot durch das in Neustadt seit Jahren etablierte Bildungsnetzwerk. „Die Schulen hatten einen konkreten Bedarf benannt, die Stadt hat gemeinsam mit der VHS nach einer passgenauen Lösung gesucht und mit der Irene-Handrich-Stiftung konnte ein starker Partner für die Finanzierung gewonnen werden“, erklärte Oberbürgermeister und Schuldezernent Marc Weigel. Constantin Beck-Burak, Leiter des städtischen Fachbereichs Bildung, Kultur und Sport, ergänzte: „Dass daraus innerhalb kurzer Zeit ein tragfähiges Angebot entstehen konnte, zeigt die besondere Stärke dieser Zusammenarbeit.“
Auch Bürgermeister und Jugenddezernent Stefan Ulrich, der zugleich den Beirat der Stiftung leitet, betonte den pragmatischen Charakter des Projekts: „Neustadt geht hier gemeinsam mit der Irene-Handrich-Stiftung einen eigenen, pragmatischen Weg: Wir verbinden vorhandene Strukturen und Kompetenzen mit privatem Stiftungsengagement und schaffen daraus ein zusätzliches Bildungsangebot, das konkret auf unsere Situation zugeschnitten ist.“
Die Finanzierung des Projekts trägt die Irene-Handrich-Stiftung, eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Neustadt an der Weinstraße. Sie wurde nach der 2023 verstorbenen Unternehmerin Irene Handrich-Gomola benannt. Ein wesentlicher Bestandteil der Stiftung sind die sechs Handrich-Bauzentren, darunter die größte Niederlassung in Neustadt. Die daraus erwirtschafteten Gewinne kommen über die Stiftung der Allgemeinheit zugute. Die Stiftung finanziert das Sprachförderprojekt mit einem mittleren fünfstelligen Betrag und hat das Projekt nach Angaben der Stadt initiiert.
Das Neustadter Projekt zeigt eindrucksvoll, wie lokale Zusammenarbeit funktionieren kann: Schulen, Stadtverwaltung, VHS und eine private Stiftung ziehen gemeinsam an einem Strang – und schaffen so ein Bildungsangebot, das im regulären Schulsystem allein kaum umsetzbar wäre. Ob das Modell auch für andere Kommunen in der Pfalz als Vorbild dienen könnte, bleibt abzuwarten. Klar ist: In Neustadt setzt man auf gezielte Förderung statt auf Schnelllösungen – und gibt damit Schülerinnen und Schülern die Chance, wirklich anzukommen.






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